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Tournedos Rossini – Luxus hoch dreiVon Peter Wagner

Der Luxus stirbt zuletzt. Mit diesem Rezept kann man sich und seinen Liebsten eine Komposition klassischer Feinschmeckerkunst gönnen: Rinderfilet-Tournedos mit Gänseleber, Trüffel und Madeirasauce – die ganz große Fleisch-Oper. Das Originalrezept wurde vom Küchenchef des Pariser Restaurants Maison Dorée, Casimir Moisson, eigens für den Opernkomponist und Gourmet Gioachino Rossini (1792–1868) kreiert, der lange Zeit um die Ecke in der Rue de la Chaussée-d'Antin wohnte. Rossini verlangte von Moisson, das Gericht vor den Augen der Gäste zu kochen. Der empfand das als unangemessen, weswegen der Komponist dem Koch vorschlug, ihnen den Rücken zuzukehren – tourner le dos.

Fajitas – Cowboy-StärkungVon Peter Wagner

Die Grenzregion zwischen den USA und dem mexikanischen Nachbarn rings um den Rio Grande hat schon früh eine markante und deftige Crossoverküche aus den kulinarischen Stärken beider Staaten hervorgebracht. Tex Mex war zunächst nur die Abkürzung der regionalen Eisenbahngesellschaft Texas Mexican Railway. Doch längst ist der Begriff zur Ikone der Wüstenküche beider Nationen geworden, die Jahrhunderte vorher ohnehin als spanische Übersee-Kolonie zusammen­gehörten. Das spiegelt sich sehr schön auch in den Fajitas wider: Die Tortillas und Chili haben mexikanische Wurzeln, aber der dort kaum gebräuchliche Kreuzkümmel als markantestes Gewürz des Gerichtes wurde von Einwanderern der kanarischen Inseln nach Texas gebracht. Auch die Verwendung des Skirt (Kronfleisch) hat texanische Wurzeln: An den Schlachttagen bekamen die Cowboys einen Teil ihrer Entlohnung in der Form von eher schwer verkäuflichen Cuts, allen voran dieser gut durchwachsene Zwerchfell-Muskel, der sich problemlos auch am Lagerfeuer grillen lässt.

Bistecca Fiorentina – Bella ItaliaVon Peter WagnerDas nach wie vor Besondere am original Bistecca alla Fiorentina ist seine schiere Größe. Die hochgeschätzten Chianina-Rinder aus dem Valdichiana in der Toskana erreichen schon nach etwas über einem Jahr ein Stockmaß von 1,90 Meter und ein Schlachtgewicht von gut 1,5 Tonnen. Unser Greater Omaha Gold Label Porterhouse bringt durch seine langsamere Aufzucht zusätzlich seine legendäre Marmorierung mit. Kombiniert mit dieser puristischen und ungleich aromatischen Zubereitung entsteht so ein noch vollmundigeres Bistecca alla Fiorentina.
Steak Wraps – Einpacken bitteVon Peter Wagner

Im Gegensatz zu den ähnlichen Fajitas, bei denen man sich die Zutaten vor dem Zusammenrollen selbst aussucht, wird der Burrito-Wrap bereits fertig gefüllt und gerollt serviert. Ein Prinzip, das in vielen Teilen der Welt erfolgreich ist: in der Türkei als Dürüm Döner in Yukfa-Fladenbrot gewickelt, oder das Schawarma im Nahen Osten und im Maghreb. In der nieder­ländischen Küche gibt es diese Fleischrolle in frittierter Form als Shoarmarol, in Mexiko nennt man sie dann Chimichanga. In all diesen Fällen werden die Teigfladen häufig mit billigem Hackfleisch gefüllt – was für ein himmelweiter Unterschied zu einem Wrap mit echten, kernigen Steak­fleisch­würfeln!

Surf’n’turf – Wasser & LandVon Peter WagnerDie Verbindung von edlen Meeresfrüchten und nicht minder hochwertigem Filet hat in den USA eine lange Steakhouse-Tradition. Vor allem an der mit großen Hummer-Fangquoten gesegneten Ostküste bestellte man Ende der 1960er Jahren gerne diese Verbindung aus den beiden teuersten Komponenten der Speisekarte – nach dem Krieg herrschte auch in Amerika Wirtschafts­wunder-Aufbruch­stimmung. Der Name Surf’n’turf stammt von der Welle des Surfers und der Erde (oder dem Gras), auf der das Rind steht. In Australien ist dieses Speiseprinzip mit reef and beef ähnlich tituliert, aber wie in den meisten Teilen der Welt mit Garnelen zubereitet. Es finden sich unzählige Varianten, die zum Beispiel Schweinefilets mit geröstetem Pulpo oder Kalbsfilets mit Jakobsmuscheln verbinden. In jedem Fall aber garantiert Surf'n'turf maximale Gaumenfreuden.
Smoker-Brisket – Smoker’s DelightVon Peter Wagner

Es gibt für die Königsdisziplinen des BBQ – die sogenannte holy trinity aus Ribs, Pulled Pork und Brisket – auch viele Rezepte für die Zubereitung im Backofen oder Gasgrill. Aber nur durch das extrem langsame Garen im aromatisierten, maximal 120 °C heißen Rauch des Smokers kommt auch die Rinderbrust zu royalen Genuss-Weihen. Vor allem, wenn man ein gut 5 Kilo schweres Point End Brisket im Ganzen smoken will. Eingesetzt wird der dicke, dreieckige und besonders fleischige Teil aus der unteren Brust samt seinem Fettdeckel. Der Cut besteht aus einem marmorierten (The Point) und einem mageren (The Flat) Bereich – in den USA auch als Moist und Lean bekannt. Letzterer wird nach Ende der oft bis zu 12-stündigen Garzeit in Scheiben aufgeschnitten. Die fetteren Stücke schmecken in größeren Tranchen oder Würfel als The Burnt Ends besser.

Profi-Arbeit erkennt man an dem Smoke Ring: Unter der äußeren Kruste (Bark) bildet sich durch eine spezielle chemische Reaktion, die es nur beim Smoken gibt, eine schmale, leuchtend rosafarbene Schicht, obwohl das Fleisch hier nach stundenlangem Garen doch eigentlich grau sein müsste. Wer jemals solch ein ungemein herzhaft-saftiges Brisket-Erlebnis hatte, kann sich nicht mehr erklären, warum dieses Rinderteilstück hierzulande ein Schattendasein als Suppenfleisch führen muss.

Saltimbocca alla romana – Spring in den MundVon Peter Wagner

Bildhafte Bezeichnungen für Speisen haben in Italien eine lange Tradition – von Zieh mich hoch (Tiramisu) bis zu Kleine Ohren (Orecchiette-Nudeln). Die spaßigste Idee aber ist es, die kleinen Kalbsschnitzel Saltimbocca zu nennen, weil sie so lecker sind, dass sie scheinbar von selbst in den Mund springen. Obwohl das Gericht so gut wie immer den Zusatz alla Romana trägt, ist nicht endgültig geklärt, ob es seinen Ursprung tatsächlich in der Region Latium mit Rom als Zentrum hat. Der Koch und Autor Pellegrino Artusi bezeichnete in seinem 1891 veröffentlichten Kochbuch La scienza in cucina e larte di mangiar bene Saltimbocca als römisches Gericht. Aktuelle küchen­historische Forschungen belegen aber, dass schon Anfang des 19. Jahrhunderts im 500 Kilometer nördlich gelegenen Brescia in der Lombardei Köche kleine Kalbsschnitzel mit Schinken und Salbeiblätter zubereitet haben. Wie auch immer, Saltimbocca alla Romana ist einer der besten und weltweit beliebtesten italienischen Klassiker – und stets perfekt für ein romantisches Dinner bei Kerzenschein.

Ratsherrenpfanne – Konsuls LieblingVon Peter Wagner

Vom Diplomaten über den Ratsherren bis zum Normalbürger – bei diesem Pfannengericht gibt es keine Klassenunterschiede. Denn das zarte, im Kern noch leicht rosa gebratene Filet harmoniert hier perfekt mit Pilzen und der cremigen Sahnesauce. Und bleibt dabei für jeden erschwinglich. Eine perfekte Winterspeise, die oft auch ganzjährig auf den Speisekarten gehobener bürgerlicher Restaurants steht und es als Klassiker sogar auf den Bestellzettel etlicher TK-Conveniencedienste gebracht hat. Im Süden Deutschlands und in Österreich findet sich oft Filet von Rind und Schwein gemischt in der Pfanne, zu DDR-Zeiten im Osten schon mal mit ein paar Würstchenscheiben verlängert. Bei den Pilzen sind Champignons immer verfügbar, in ihrer jeweiligen Saison dürfen es auch Pfifferlinge oder Steinpilze sein.

Bei Filetpfannen jeder Art kann dieser Cut seine Stärken voll ausspielen: Das Fleisch ist sehr saftig und zart, und muss nicht erst durch langes Schmoren mürbe gemacht werden. Im Gegenteil: Auch für die Ratsherrenpfanne werden die Fleischscheiben nur wenige Minuten lang scharf angebraten und am Ende wieder in der Sauce erhitzt. Dadurch bleiben sie im besten Fall im Kern noch leicht rosa. Damit sie in der Zwischenzeit nicht zu viel Saft abgeben, werden sie mit Cognac flambiert – Vorsicht, dabei können recht hohe Stichflammen entstehen!

Shepherd’s Pie – SahnehäubchenVon Peter Wagner

Unter den heimeligen Comfort foods ist dieser Hackfleischauflauf weltweit einer der bekanntesten und beliebtesten. Darüber, ob im Original Hackfleisch vom Lamm oder Rind verwendet wurde, gehen die Meinungen ebenso auseinander wie über die Frage, ob diesen »Fleischkuchen« in England oder Irland erfunden wurde. Wahrscheinlich ist beides richtig.

Auf jeden Fall entstand das Gericht mit dem dicken Kartoffeldeckel Ende des 18. Jahrhunderts als schmackhafte Verwertung von Resten aus anderen Mahlzeiten – oft aus dem Fleisch, das vom Sunday Roast am Wochenende übriggeblieben war. Und weil es als ehemaliges Armeleute-Essen vor allem in den Hütten des einfachen Volkes gekocht wurde, hieß die Speise zunächst Cottage Pie, im noch ärmeren Irland wegen des billigeren Hammelfleisches Shepherd’s Pie. Viel besser schmeckt es natürlich mit richtig hochwertigem Hackfleisch, zum Beispiel von den ALBERS-Burgerpattys vom original irischen Dry Aged Rind.

Shabu Shabu – Rib im DipVon Peter Wagner

An vielen Esstischen der Welt sitzt man gern gemütlich um einen Topf Brühe zusammen und dippt dünn geschnittenes Fleisch zum Garen hinein. In Frankreich nennt man diese Speise seit dem 18. Jahrhundert Fondue Chinoise – in Abgrenzung zu dem mit heißem Fett betriebenen Fondue Bourguignonne.

Der Name ist auch eine Verbeugung vor dem Ursprung: Schon vor knapp 1.900 Jahren brodelte in China und der Mongolei ein Gugelhopf-förmiger Topf mit Brühe zum Dippen auf dem Tisch.

Hot Pot aus Osaka

Auch das japanische Shabu Shabu ist so ein typisches Hot Pot-Gericht, allerdings wurde es erstmals in den 1950er Jahren in dem Restaurant Suehiro in Osaka serviert. In Japan sind ebenfalls hauchdünne Fleischscheiben – bevorzugt von den Rib-Muskeln zwischen den Brustrippen – neben Kohl, Karotten und Pilzen die Hauptzutat. Dort allerdings nicht nur in Fleischbrühe, sondern in einem Dashi-ähnlichen Sud aus eingeweichten Kombu-Algen. Die ultrakurzen Garzeiten bringen den edlen Geschmack von Rindfleisch mit Wagyu-Genetik ganz besonders gut zur Geltung.

Wiener Tafelspitz – BadespaßVon Peter Wagner

Der in Brühe pochierte Tafelspitz wurde als Kochrezept erstmals 1911 von Adolf Friedrich Karl Hess in Servierkunde beschrieben. Dennoch gilt für das bis heute bekannteste Siedfleischstück der Wiener Küche der Sissi-Gatte Kaiser Franz Joseph I (1830-1916) als der berühmteste Werbeträger. Er soll sich mehrmals die Woche Sied­fleisch­gerichte serviert haben lassen. Das Teilstück aus dem Ende des Hüftdeckels, im englischen Sprachraum als Top Butt Cap oder Rump Cap bekannt, ist einer der zartesten Cuts aus dem hinteren Rinderviertel. Es führt bis heute die Rangliste der 24 in der Wiener Küche bekannten Kesselfleischsorten an. Wichtig: Zum Erhalt des runden Fleischgeschmacks immer in stark gesalzener Kalbs- oder Rinderbrühe baden.

Ente á la Orange – Frankreichs fruchtiges GeflügelVon Peter WagnerÜber die wahre Herkunft der Idee, Fettgeflügel zusammen mit der orangen Vitaminbombe zu schmoren, streiten sich französische und italienische Kulinariker seit langem. Auch wenn der Dreisternekoch René Lasserre behauptet, das Rezept 1945 in seinem Pariser Restaurant erfunden zu haben, gehen die Ursprünge viel weiter zurück. Wahrscheinlich ist, dass die italienischen Köche von Catherine de Medici die Zubereitung Mitte des 16. Jahrhunderts von Italien mitbrachten, als die Adelige in Frankreich Heinrich II heiratete. Erstmals niedergeschrieben wurde das Rezept von Alexandre Viard 1820 in seinem Buch Le Cuisinier Royal ou l'art de faire la cuisine, mindestens ebenso lange existiert es aber auch im spanischen Sevilla (mit Bitterorangen) oder in Vietnam als Vit Nau Cam. Die Idee funktioniert zwar auch mit Entenbrüsten oder mit weiteren Schmorbraten-typischen Beigaben wie Bouquet Garni oder Mirepoix-Bratgemüse. Aber am besten ist noch immer das in den letzten Jahren ein wenig in Vergessenheit geratene pure Originalrezept mit Orangen, Brühe und Grand Marnier zum Flambieren – dabei entsteht eine großartige fruchtbetonte Sauce mit karamelliger Tiefe.
Soulfood mit Blauen BohnenVon Peter WagnerDer südlichste Bundesstaat der USA war schon immer ein Schmelztiegel der Einwanderer und ihrer Esskulturen. Von den franko-afrikanischen Einflüssen rings um Houston bis zu den Latino-Kulturen in San Antonio und El Paso nährt sich bis heute die sogenannte TexMex-Küche. Und die steht nicht nur kulinarisch stark unter dem Stern der angrenzenden mexikanischen Provinzen Chihuahua, Coahuila und Nuevo Leon – sie schmeckt auch so deftig wie ein Cowboyfilm, in dem die Blauen Bohnen fliegen. Neben den essbaren roten und schwarzen Bohnen spielen beim Chili con Carne zwei weitere Ikonen der mexikanischen Küche eine Rolle: Die Schärfe der Chilischoten und die Süße der Schokolade in der typischen Mole-Sauce. So wird denn auch dieses TexMex-Gericht gerne mit ein paar Löffeln Kakao gebunden. Wer es sich einfach machen will, benutzt als carne Hackfleisch. Weitaus definierter aber wird die Textur, wenn man hochwertiges Rindfleisch selbst in winzige Würfelchen schneidet. Für eine weitere süße Komponente sorgt bei den Originalrezepten oft eine zusammen mit den Zwiebeln angedünstete in Europa schwer erhältliche Rohzucker-Melasse. Hierzulande kann man aber auch einen anderen Inbegriff amerikanischer Tischkultur verwenden – wir benutzen Cola als Kochzutat.
Coc au vin – Mit Wein auch ohne Schmoren zartVon Peter WagnerNicht erst seit Til Schweigers Kinohit Kokowääh aus dem Jahr 2011 ist das in Wein gegarte Huhn auch diesseits des Rheins eine allseits bekannte und beliebte Hauptspeise. Bei unseren französischen Nachbarn gilt es sogar als Nationalgericht mit großer Historie – immerhin war der Hahn lange Zeit das Wappentier Frankreichs. Und eine der wichtigsten Proteinquellen für das normale Volk, denn Hühner sind einfach zu halten und wachsen schnell zur Schlachtreife. Der Legende nach entstand das Originalrezept, nachdem eine Bäuerin beim Rupfen der Hühner von Steuereintreibern überrascht wurde und den Hahn kurzerhand im Rotweinfass versteckte. Als die Schergen nach drei Tagen das Dorf verließen, hatten die Gerbstoffe in der Weinmarinade sogar das Fleisch des 4-Kilo-Kapauns (kastrierter Hahn) so zart und mürbe wie ein Stubenküken gemacht. Dieses Beizen sorgt auch dafür, dass selbst das Fleisch älterer Tiere keine 180 °C Schmortemperaturen im Backofen braucht, sondern bequem auf dem Herd im Topf zart wird – weswegen die fantastischen ALBERS-Landhühner mit dem Label Rouge-Siegel auch statt drei nur 1,5 Stunden Garzeit benötigen.

Muss man die Sauce mit Hühnerblut binden?

Im Originalrezept wird die Sauce am Ende mit frischem Hühnerblut gebunden, aber das ist heute selbst beim Metzger nicht mehr vorbestellbar. Für eine sämige Sauce sorgt inzwischen das Mehl. Nicht aus der Zeit gefallen ist dagegen die frühere Garnitur, die eines Wiederentdeckens würdig ist: Weißbrotwürfel werden erst kurz in die Sauce und dann in fein gehackte Petersilie getunkt und als Beilage gereicht. Tipp: Am besten von dem verkochten Rotwein noch eine zweite Flasche parat haben. Die nämlich passt perfekt als Getränkebegleitung – vielleicht sogar ein edler Chambertin Burgunder?
Sandwich-Tuning mit RoastbeefVon Peter WagnerBei Welterfolgen gibt es immer viele Väter des Gedankens – in diesem Fall streiten sich England und Amerika um die Urheberschaft dieses nicht nur in Country Clubs und Fünfsternehotels hochgeschätzten Snacks. Namensgebend könnte der 4th Earl of Sandwich, Sir John Montagu, gewesen sein. Der leidenschaftliche Zocker verlangte angeblich um 1762 herum, seine Mahlzeiten am Spieltisch einzunehmen – praktischerweise in zwei Brotscheiben verpackt. In den USA verortet man den Ursprung auf 1894 im Saratoga Club-House (State New York), während das älteste Kochrezept 1903 von Isabel Gordon Curtis im Good Housekeeping Everyday Cook Book veröffentlicht wurde. Wie auch immer: Das Brotprinzip setzte sich weltweit durch und wuchs sich zum Doppel- und sogar maulsperrenden Triple-Decker aus. Im Gegensatz zu den Standardzutaten Hühnerbrust (oder Pute), grüner Salat, Tomate, Mayo und Frühstücksspeck wollen wir dieses Speisekonzept einem Nobel-Tuning unterziehen. Schließlich ist im Original das Fleisch oft trocken, während die Tomaten in Windseile das Brot durchfeuchten. Stattdessen legen wir lieber noch ofenwarmes, dünn aufgeschnittenes und supersaftiges Roastbeef auf das Weißbrot, umrahmt von mürbsüßem Zwiebelkaramell, knackigen Brotzeitgurken und der frischen Schärfe von grobem Senf. Das alles lässt sich auch ohne Clubkarte genießen – und im Gegensatz zu manchem Sandwich-Turm sogar mit sauberem Gesicht.
Böfflamott – Brachte Napoleon diesen Rinderbraten nach Deutschland?Von Peter WagnerAnfang des 19. Jahrhunderts verhalf die Verbrüderung mit dem französischen Kaiser Napoleon Bonaparte den Bayern nicht nur zu einer liberalen Verfassung und einem bis heute bestehenden vergrößerten Territorium, sondern auch zu jeder Menge kulinarischer Entdeckungen. Schließlich galt Frankreichs Cuisine schon damals als der Küchennabel der Welt. Es dauerte nicht lange, bis viele typische Gerichte des westlichen Verbündeten Einzug fanden in die Bayrische Wirtshauskultur, wenngleich sie nicht immer so ganz korrekt ausgesprochen oder auf die Speisekarten geschrieben wurden. So verlor irgendwann zu dieser Zeit das Fricassée sein schickes »c« samt Akzent und kommt bis heute neben anderen Romanismen wie Rouladen, Ragouts oder dem Omelett (ohne »e« am Ende) häufig auf den Tisch. Ähnlich lief das bei dem mit Rotwein mürbe marinierten und geschmorten Braten Rindfleisch nach Art der Mode, der 1651 erstmals als Bœuf à la mode in einem französischen Kochbuch erwähnt wurde. Die bayrischen Köche konnten das Gericht schneller nachkochen als aussprechen, weswegen es noch immer kurzerhand als Böfflamott bezeichnet wird. Einzig die Marinierzeit hat sich verändert – heute braucht man nicht mehr eine Woche, um das Fleisch alter, zäher Arbeitsrinder weich zu bekommen. Die zwei Tage in der Beize dienen eher dem Geschmack.
Wie britisch ist das Roastbeef?Von Peter WagnerMindestens so wie Fish & Chips, denn als rosa gebratener Sunday Roast (Sonntagsbraten) oder typisches Weihnachtsgericht darf das Roastbeef auf keinem festlichen Tisch im Königreich fehlen. Kein Wunder, dass dieser vom longissimus-Muskel dominierte Teil des Rinderrückens in Österreich »Der Englische« genannt wird. Das Praktische an diesem mächtigen, bis zu fünf Kilo schweren Braten ist: er schmort sich fast von selbst und braucht keine große Kochkunst. Und wenn etwas übrig bleibt, hat man am nächsten Tag einen perfekten Aufschnitt aufs Brot.
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